Auswahl der Rasse für das Einkreuzprojekt von ProKromfohrländer e.V.


Bei einem Einkreuzprojekt werden mehrere Hunde einer Fremdrasse mit Kromfohrländern verpaart. Die Nachkommen (F1-Generation) erzielen wiederum unter entsprechender Auslese mit reinrassigen Kromfohrländern Nachwuchs (F2 - F4 Generation). In der F4-Generation werden dann geeignete Hunde ausgewählt, die durch die fortlaufende Verpaarung mit Kromfohrländern im Wesen und Aussehen dieser Rasse wieder gleichen. Diese Hunde werden dann der Kromfohrländerzucht als Zuchttiere zugeführt.

Zunächst ist zu bemerken, dass bei einem Einkreuzprojekt der Einsatz auf eine einzige Fremdrasse (bei ProKromfohrländer aktuell der Dansk-Svensk Gardhund) beschränkt sein sollte. Da ProKromfohrländer e.V. als Rassezuchtverein den Kromfohrländer erhalten möchte, ist dies erforderlich, um nicht die Übersicht zu verlieren und möglicherweise unerwünschte Veränderungen der Rasse in Kauf zu nehmen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass in Zukunft auf dem Weg hin zu mehr genetischer Gesundheit weitere Einkreuzprojekte eventuell auch mit einer anderen Rasse erforderlich sind. Dies wird sich nach den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung und der populationsgenetischen Beratung richten.

 

Es besteht auch die Möglichkeit, dass genetisch aufgefrischte Kromfohrländer aus anderen seriösen Einkreuzmaßnahmen (z.B. aus dem durch die FCI genehmigten Einkreuzprojekt des finnischen Rassezuchtvereins) zukünftig in die Zucht von ProKromfohrländer eingehen. Voraussetzung wäre allerdings eine sehr genaue Überprüfung der Gesundheitssituation über mehrere Generationen sowie der Wesensmerkmale und auch der ausreichenden Eignung des äußeren Erscheinungsbildes. 

Schon seit längerer Zeit werden bei ProKromfohrländer, damals noch als Gruppe, Überlegungen angestellt, welche Rasse für ein erstes Einkreuzungsprojekt am besten geeignet ist. Zwei ehemalige Mitglieder der „Arbeitsgruppe Genpool“ des Altvereins (RZV) hatten bereits Erkenntnisse dort eingebracht, die sie nun bei ProKromfohrländer nach gründlichen Recherchen und mit Unterstützung von Frau Prof. Dr. Sommerfeld-Stur (Institut für Tierzucht und Genetik der Veterinärmedizinischen Universität in Wien) weiterentwickeln konnten.

ProKromfohrländer kam abschließend zu dem Ergebnis, dass der Dansk-Svensk Gardhund zum jetzigen Zeitpunkt am besten geeignet ist, weil er die meisten Vorteile auf sich vereinigt.

Warum wurde nun der Dansk-Svensk Gardhund, auch liebevoll Danski genannt, für das erste Einkreuzprojekt von ProKromfohrländer ausgewählt?

 

Bei der Auswahl einer geeigneten Rasse wurde besonders viel Wert auf Gesundheit, auf Langlebigkeit und einem ausgeglichen Wesen gelegt. Aber auch die Größe, Körperbau und Proportionen sollten ähnlich sein, wobei das Exterieur ganz unten auf der Prioritätenliste stand.

Denn das äußere Erscheinungsbild, also alles, was man auf den ersten Blick an einem Hund sieht, lässt sich züchterisch relativ einfach beeinflussen. Anders ist es bei den Charaktereigenschaften und dem Gesundheitszustand; hier wird es wesentlich komplizierter, denn diese Merkmale hängen von vielen verschiedenen Genen und Faktoren ab.

 

 

Der Dansk-Svensk Gardhund, den man häufig in Dänemark und Schweden findet und dessen Zahl auch in Deutschland zunimmt, ist ein kleiner, robuster gescheckter Hofhund, der relativ alt werden kann. Er wird mehr auf Gebrauchsfähigkeit, Sportlichkeit und Unkompliziertheit als auf Schönheit gezüchtet. Das hat sicher dazu beigetragen, dass bisher wenige gesundheitliche Probleme in dieser Rasse auftreten. Lediglich die juvenile Femurkopfnekrose hat man bei einigen Hunden dieser Rasse gefunden. Diese Erkrankung wird aber schon in einem sehr frühen Alter auffällig, sodass die betroffenen Tiere nie zum Zuchteinsatz kommen. Zudem werden in Schweden und Dänemark strenge Zuchtlenkungsmaßnahmen zur Bekämpfung dieser Erkrankung durchgeführt.

 

 

Die Rasse Dansk-Svensk Gardhund ist im Verhältnis zu vielen anderen Hunderassen auch deshalb relativ gesund, da sie als junge Landrasse mit einer großen Genvarianz ausgestattet ist. So sind zahlreiche Vorfahren in die Rasse eingegangen und auch in der weiteren Zucht erfolgte die Hinzunahme von geeigneten Hunden. Es liegen, im Gegensatz zu Mischlingen, umfangreiche Gesundheits- und Stammbaumdaten vor. Somit besteht ein möglichst hoher Kenntnisstand über die allgemeine Gesundheitslage dieser Rasse.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist das Wesen des Danskis. Er gehört nicht zu der Gruppe der Terrier, sondern ist eher in der Kategorie der Pinscher anzusiedeln. Im Wesen ausgeglichen und sehr freundlich gegenüber Hunden, Kindern und Menschen im Allgemeinen, wird er dazu beitragen, dass der doch eher nervöse und sensible Kromfohrländer mehr an Stabilität und Sicherheit gewinnt.

 

Der Danski neigt als Hofhund dazu, Mäusen und Ratten nachzustellen, die gerne auch durch Ausgraben ausfindig gemacht werden. Dieses Verhalten findet man allerdings bei vielen Hunden, auch zum Teil bei unseren Kromfohrländern. Man sollte diese Verhaltensweise bei den Einkreuzungsnachkommen im Auge behalten. So wie der Kromfohrländer hat aber der Danski ansonsten wenig Jagdtrieb. Das ist sehr entscheidend, weil Wesensmerkmale nur schwer wieder herausgezüchtet werden können.

Im Exterieur ähnelt der Danski häufig einem glatthaarigen Kromfohrländer, nur dass er ein wenig kleiner und meist kräftiger ist. Dies könnte sich eher günstig auf die Kromfohrländerzucht auswirken, weil in den letzten Jahren vermehrt relativ große Kromfohrländer geboren wurden.

Das kurz-glatte Fell des Danskis stellt beim Einkreuzen ebenfalls ein Plus dar. Diese Haarvariante ist bekannterweise bereits in der Kromfohr-länderzucht vorhanden, sodass im Grunde in dieser Hinsicht nichts Neues in die Rasse eingebracht wird. Für die Rauhaarzucht wird dabei der gelegentliche züchterische Einsatz von kurz-glatten Hunden sogar empfohlen, weil dadurch bei der mittellangen Rauhaarvariante die Fellqualität verbessert wird, das Fell bekommt wieder mehr Dichte. Da sich die rauhaarige Haarqualität gegenüber dem Kurzhaar dominant verhält, genauso wie die Bärtigkeit gegenüber dem Merkmal „ohne Bart“, kann man nach der Einkreuzung mit einem Danski ohne Probleme wieder Hunde mit mittellangen Rauhaar und auch Kurzhaarige mit Bart erzielen.

Gleichwohl wird in der Glatthaarzucht von Kromfohrländer auch jetzt schon die kurz-glatte Varietät eingesetzt, um den Genpool nicht noch kleiner werden zu lassen. Die Glatthaarzüchter haben also mit dem Einsatz von kurz-glatten Hunden schon Erfahrung. Somit wird deutlich, dass das Einkreuzen mit einem Danski sowohl der Rauhaarzucht als auch der Glatthaarzucht nutzt. Besonders die genetisch noch stärker eingeengte Glatthaarzucht könnte sehr stark von der Einkreuzungsmaßnahme profitieren. Das könnte auch ein wichtiger Ausweg aus der Situation der Glatthaarzucht werden, bei der mittlerweile wegen dem hohen Verwandtschaftsgrad keine verantwortbaren Verpaarungen mehr gefunden werden können.

Es wäre sehr zu befürworten, dass bei dem Einkreuzprojekt auch glatthaarige Kromfohrländer eingesetzt werden, sofern sich Glatthaarzüchter daran beteiligen möchten. Auch zu einem späteren Zeitpunkt könnte man Hunde aus dem Einkreuzungsprojekt (am besten kurz-glatt) aus den F1- bis F4-Generationen und aus den nachfolgenden Generationen mit glatthaarigen Kromfohrländer verpaaren, sodass jederzeit die glatte Haarvarietät an der Einkreuzmaßnahme beteiligt werden könnte.

Eine genetisch gesunde Hunderasse der Zukunft erfordert Nachhaltigkeit und langen Atem und nicht rasche Zuchterfolge durch den Einsatz von gefährlicher Inzucht. ProKromfohrländer e.V. möchte für die raue und glatte Haarvarietät der Kromfohrländer diesen Weg einschlagen und der Rasse der Kromfohrländer wieder eine Zukunft geben. Das erste Einkreuzprojekt wird dafür ein wichtiger Meilenstein in diese Richtung sein. Die Auswahl des Dansk Svensk Gardhund als Fremdrasse ist ein sehr überlegter Schritt, der eine höhere genetische Vielfalt bewirken wird. Das Risiko von unerwünschten Veränderungen der Kromfohrländer und das Einschleppen von neuen Krankheiten werden so gering wie möglich gehalten. Die fortlaufende Kontrolle und Beobachtung des Einkreuzprojektes und gezielte Auslese auch im weiteren Verlauf werden ebenfalls in diese Richtung wirken.